Räumlichkeit und Wahrnehmung

2009-02-23

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Renaissance: Perspektivisch-Symmetrische Darstellung. Die Renaissance-Künstler benutzen Geometrie zur Konstruktion ihrer Bilder. Schichtung von Bildelementen in Vorder-, Mittel- und Hintergründe. Das Auge weiss meistens genau, wo es zu fokussieren hat; die Struktur ist aus einem Standpunkt aus vollständig zu erfassen.

Moderne: Die Geometrie kann zwar immer noch vorhanden sein, aber sie wird mehr und mehr unsichtbar und durchbrochen. Ein Teil des Ganzen gibt keine Hinweise auf das Ganze. Die Gesamtstruktur ist nicht auf einen Blick erfassbar und muss durch Bewegung er-fahren werden. Prinzip des Zusammengesetzten, Fragmentierten.

Perspektive

Erwin Panofsky hat Perspektive untersucht und sie als System einer symbolischen Form verstanden. Konzept der Symbolische Form durch Ernst Cassirer. Es ist also eine Form, die mit den Ideen einer bestimmten Zeit verknüpft ist. Die Perspektive ist in dieser Theorie als Folge des neuen, humanistischen Denkens, in dem man von der Idee der flachen Erde Abschied nimmt.

Die Zentralperspektive wird von den Renaissance-Künstlern sehr konsequent verwendet und Bilder praktisch durchkonstruiert. Es gibt den Versuch, verschiedene Bildelemente zusammenzubringen und in ein geschlossenes System einzubinden. Um einen solchen homogenen, in sich geschlossenen Raum gestalten zu können, wird eine Abstraktion verwendet und zwei Annahmen getroffen: die Verwendung eines fixen Auges (Das dritte Auge?) sowie die Verwendung des «Durchschnitts», der genauso fixiert ist.

Panovsky macht das Entstehen eines Systemraumes ausfindig. Dieser ist geometrisch konstruiert.

Die geometrischen Konstruktionen werden bis zum Barock immer komplizierter – aber das ändert nichts an der Tatsache, dass sie weiterhin streng geometrisch gebaut sind.

2009-03-02: Klassische Raumtheorie

Geometrie kann als idealisierte Form der Darstellung angesehen werden. Ursprünglich aus der 2-dimensionalen Geometrie von Euklid durch Isaac Newton in 3 Dimensionen überführt.

In der Renaissance (Galileo Galilei) wandelt sich auch die Idee des Raumes von einem endlichen zu einem unendlichen.

Anschauungsraum hat Materialität.

Leibnitz: Versuch, den phänomenologischen Raum zu beobachten und von dort aus zu einem abstrakten, physikalischen Raum zu gelangen: Anschauungsraum

Newton: Unterscheidung von absolutem und relativem Raum.

Absoluter Raum

Unendlich, stetig, homogen. Abstrakte Idee, aber nicht vorstellbar. Absoluter Raum

Relativer Raum

Vorstellbar. Aus einem Standpunkt aus aus einer Perspektive heraus fass- und darstellbar ist. Ausschnitt des absoluten Raums. Besitzt Bezugspunkte: Rechts/Links/Oben/Unten, Höhe, Tiefe, Breite etc., darauf basierend können Relationen von Objekten untereinander angegeben werden. Relativer Raum

Anschauungsraum

Leibnitz tastet den Absoluten Raum nicht an. Einführung des Relationalem Raumes: In der Wahrnehmung werden Beziehungen zwischen Objekten erkennbar. Perspektive ist die perfekte Darstellung des Anschauungsraums. Anschauungsraum

Raum definiert sich so aus dem Mit- und Nebeneinander von Objekten.

Immanuel Kant

Immanuel Kant: Kant nimmt die Sinnlichkeit wieder auf. Er will die Welt der Sinne und die Welt der Vernunft in Übereinstimmung bringen. Es geht hier also um einen erkenntnistheoretischen Ansatz. Dinge in Raum und Zeit sind für uns nur vorhanden, wenn wir sie wahrnehmen.

2009-03-09

Bildbetrachtung: Auffällig ist vor allem fehlende Perspektive. Fehlende Mimesis. Simultaneität der Perspektiven und Zeitmomente – unterschiedliche Stand- und Zeitpunkte auf dem selben Bild. Raumzeitliche Auflösung der Perspektiv, um etwas neues reinzubringen.

Malewitch, Man Ray

Tanz

Auch der Tanz beschäftigt sich zu dieser Zeit mit neuen Formen des Ausdrucks. Stäbetanz, Metalltanz. Dada.

A Clockwork Orange

Kubrick verwendet in A Clockwork Orange starke Perspektiven, die durch die verwendeten Zoomobjektive noch verstärkt wird.

2009-03-16: Edmund Husserl

«Die phänomenologische Fundamentalbetrachtung» von Edmund Husserl. Wahrnehmung entsteht im Bewusstsein.

Erklärungen zum Text

«in natürlicher Einstellung» Entspricht dem Kant'schen Anschauungsraum. Wahrnehmung geschieht nur in Relation zu anderen Dingen.
«Meditation» Betonung des Subjektiven
Raum und Zeit  ist laut Husserl immer vorhanden. Eigentlich Einführung des Begriffs der Präsenz
Sehen, Tasten, Hören Es werden alle Sinne angesprochen, mit denen die Dinge wahrgenommen werden können.
Unterscheidung Begrifflich und Anschaulich Begrifflich: Objekte als rein abstrakte Ideen. Anschaulich: Man nimmt die Objekte effektiv wahr – und nur so sind sie wirklich
Aktuelle Wahrnehmung Wird von Husserl als Voraussetzung angesehen – es geht also nicht über Virtuelle Räume
Dunkel bewusster Horizont unbestimmter Wirklichkeit Die Dinge, die nicht gerade wahrgenommen werden, und deren Präsenz nur als Wissen vorhanden ist.
Seinsordnung in der Folge der Zeit Einführung des Elements der Zeit in die Theorie.
Natürliche Einstellung Dinge sind nur vorhanden im Bezug auf den Betrachter. Es gibt kein neutrales Betrachten mehr. Man ist mittendrin, man ist präsent – Begriff der Präsenz
Transzendenz Der Betrachter kann bis zu einem gewissen Grad davon ausgehen, dass andere Subjekte die Dinge zumindest ähnlich sehen wie er selber.

2009-03-30: Umbruch der modernen Raumtheorie

Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge

Wissenschaftliche und soziale Veränderungen können die Wahrnehmung der Welt fundamental verändern. Diese veränderte Wahrnehmung schlägt sich auch in der Gestaltung von Artefakten nieder.

1892: Alexander Bell erfindet das Telefon; erstes Telefongespräch. Leitet das Schrumpfen der Distanzen ein, die auch mit der Eisenbahn weitergeführt wird.

1920: Massenhafte Verbreitung des Radios. Nur 10 Jahre später: Einführung des Fernsehens. Es vergehen aber trotzdem noch gut 30 Jahre, bis der Computer den Durchbruch schafft.

Rolle der Eisenbahn: Mit den immer stärker werdenden Lokomotiven schrumpft die Distanz weiter, da auch entfernte Städte nun in gut erreichbarer Nähe sind. Auf dem Atlantik erreichen dies die Dampfschiffe wie die Mauretania oder Lusitania, die in etwa einer Woche nach New York eilen. Auch das Automobil tut seinen Teil dazu, später kommt dann auch noch das Flugzeug dazu.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass innerhalb von 100 Jahren ein massiver Umbruch der Kultur stattfindet.

Zu erklären ist dies mit dem starken Wachstum von Städten, die irgendwie noch navigierbar bleiben mussten – vor allem in den USA. Man versuchte, mit räumlichen Systemen dieses Wachstum unter Kontrolle zu bekommen (Rastersysteme – ein eigentlich barockes Ideal). Trotzdem ist der Stil extrem heterogen, trotz ihrer rigiden Bauvorschriften – es wird berichtet, dass die Städte trotzdem nicht mehr überblickbar waren.

Gefühl der Auflösung der Stadt, da plötzlich sehr viele Leute in diesen Städten wohnen.

Auch die Zeit wird aufgelöst, da diese Städte praktisch nie mehr schlafen.

Es entstehen Teile, die unkontrolliert wachsen (Slums). Oft folgt die Infrastruktur erst später (und damit ein Versuch der Ordnungsschaffung).

Nichteuklidsche Geometrie

Neue Erkenntnisse in der Geometrie: neue Formen, wie die Geometrie beschrieben werden kann. Man erkennt, dass die Euklidsche Geometrie nur eine unter vielen ist. Man merkte, dass gewisse Formen mit der Euklidschen Geometrie nicht erklärbar sind. Als erster arbeitete Carl Friedrich Gauss daran. Er suchte nach den geometrischen Eigenschaften gekrümmter Flächen. Daraus folgt die Differenzial-Geometrie. Riemann übersetzt dies dann in den 3-dimensionalen Raum.

Diese Erkenntnis stellt sehr vieles in Frage, da auch die so sicher geltende Geometrie ist plötzlich kein verlässlicher Wert mehr. Dies mündet am Ende dann auch in der Relativitätstheorie von Einstein. Zeit und Raum muss nun zusammen gedacht werden.

Dadurch ergibt sich ein Raumbegriff, der nicht mehr statisch ist, sondern in beständiger Veränderung ist.

Architektur

Beispiel: Le Corbusier. Er will eine neue Auffassung des Raums zeigen.

2009-04-06: Praktische Beispiele in der Architektur

Villa Savoye, Poissy, Paris

Villa Savoye von Le Corbusier 1931. Im Gegensatz zu klassischer Architektur findet sich hier keine Hauptfassade – meist die Fassade, in der sich auch der Eingang befindet. Dies kann auch ein Ordnungs- und Orientierungsinstrument sein – bei dieser Villa ist der Eingang nicht klar markiert. Er wird erst klar, wenn der Besucher unter dem Vordach steht. Verwendung von grossen Glasflächen, die nun technisch möglich wird. Zudem ermöglicht der Stahlbeton weit experimentellere und fragilere Strukturen.

Der Witz ist, dass die Villa nie wirklich bewohnt worden ist, da es reinregnete und keine funktionierende Heizung vorhanden war. Die Villa war eigentlich konzeptionell nur ein Schauobjekt.

Die Architektur spielt dabei mit dem Innen und Aussen und mit den Durchblicken, die sich ergeben können. Die Fenster sind sehr tief angesetzt. Ansonsten übernimmt das Haus auch Schifffahrtsmetaphern.

Transparenz ist immer dann, wenn ein Raum keinem eindeutigen Ordnungssystem zuzuordnen ist. Räume «fliessen» ineinander hinein.

Museum für Wissenschaft, Wolfsburg

Von Zaha Hadid.

2009-04-20

Pavillon von Mies van der Rohe. Besteht aus sich überlagernden Raumschichten.

Kirche von Le Corbusier: Notre Dame du Haut. Im Gegensatz zu barocken oder gotischen Kirchen kann die Form nicht durch einen Standpunkt aus erkannt werden. Die Kirche muss umgangen werden, um gänzlich erfasst zu werden. Weitere Merkmale: natürlich-organische Faltungen, bei denen Aussenwände zu Innenwänden werden. Fenster/Einschnitte, die willkürlich verteilt sind.

Peter Zumthor: Therme Vals. Starker Kubismus. Wege werden inszeniert. Teilweise sehr beengende Verhältnisse. Mit Dimensionen des Räumlichen wird gespielt. Die Räume werden auch akustisch bespielt.

2009-04-27

Weitere Beispiele:

Phaeno Wissenschaftsmuseum von Zaha Hadid: Spiel mit Öffnungen. Labyrinth innerhalb des Gebäudes, keine vorgegebene Wege – dekonstruktive Elemente. Der Raum ist nicht mehr durch Fotografien erfassbar. Er muss durchgangen werden. Inszenierung gehört ganz klar zu den Strategien, die bei einem solchen Gebäude verwendet werden.

Jaques Derida: Begriff der Differenz.

Eine ganze Reihe von Architekten haben stark mit der Architektur experimentiert.

Beispiele aus der Kunst

Fischli/Weiss: Der Lauf der Dinge. Nur ein kleiner Teil ist als Ausschnitt sichtbar, nie jedoch das gesamte Kunstwerk. Ausserdem ist das ganze Konzept auf Vergänglichkeit ausgelegt. Auch die Zeit hilft weiter, dass man sich keinen Überblick verschaffen kann. Trotzdem steckt natürlich ein Ordnungssystem dainter.

«Prozesse von Materialien in Präsenz». Bewegung in Verbindung mit Material.

Die Arbeit ist sowohl installativ, performativ als auch semiotisch/narrativ.

Bilder

Moderne Bilder: Kurt Schwitters. kein direkter Bezugspunkt. Räumlichkeit wird über Farben geschaffen. Hinweise werden über aufgeklebte Zettel gegeben.

2009-05-04: Betrachtungen von Kunst

Bruce Nauman: Video, in dem er herumläuft. Ist auf den Kopf gestellt.

Theorie

Eine Situation benötigt Präsenz in Raum und Zeit. Man betrachtet diese Situation in Relation zu anderen Dingen (und sich selber). Man kann dabei in Bewegung sein. Man setzt das gesamte in Verbindung mit seiner Erfahrung. Ausserdem wird es in Reflexion angesehen. Darin wird der Raumbegriff verstanden.1)

Zum Verständnis dieser verschiedenen Arten dient das «3-Pforten-Modell». Bei der Arbeit von Bruce Nauman findet sich klar eine stark performative und installative Komponente.

Minimal Art: Dieser Artform wird vorgeworfen, dass sie sich allein auf Theorie stützt, um zu funktionieren. Man kann aber auch argumentieren, dass es sich um Installationen handelt, die durchaus in Beziehung zum Raum darum stehen.

Collagen wirken deshalb, weil die eigene Imagination angeregt wird und eine Verbindung der Objekte untereinander gesucht wird.

Jean Tinguely als Beispiel.

2009-05-25

Merce Cunningham als Beispiel für Tanz. Praktisch leere Bühne, schwer zu durchschaubare Bedeutung, möglicherweise gar keine.

Josep Cornell: Ansichten einer Grossstadt.

1) Diese Auflistung ist sehr wahrscheinlich unvollständig – irgendwie war ich nicht ganz bei der Sache, aber ich frage mich, ob ich es besser verstanden hätte, wenn ich aufgepasst hätte …
gd/v/raumlichkeit.txt · Zuletzt geändert: 2009/05/25 10:19 von xeophin
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