Gesellschaften brauchen Zeichen, um sich zu verständigen. Zu Beginn jeder politischen Entwicklung einer Gesellschaft steht also Design, ein Wappen, unter dem sie steht und sich vereinigt sieht.
Wie stark Zeichen für Gesellschaften sind, zeigt sich auch in der Architektur: oft werden „sinnlose“ Objekte gebaut, wie etwa der Triumphbogen in Rom. Genau wie auch Uniformen, Abzeichen, Paraden sind sie blosse Repräsentationen der Macht. Diese ziehen sich durch die gesamte Geschichte und sind selbst heute nicht mehr wegzudenken.
(PDF: Politik BEGRIFFE)
Politik: Laut den antiken Griechen ist Griechenland immer dort, wo ein Grieche ist. Laut ihnen ist der Staat / die Staatskunst, die sich mit dem auseinandersetzt, was alle Bürger betrifft. Dabei wird getrennt zwischen polis, der Öffentlichkeit und der oikos, dem Haushalt, in dem der Staat nichts zu suchen hat.
Politische Philosophie / Staatsphilosophie / Rechtsphilosophie: Untersucht, wieso überhaupt ein Staat entsteht und wie er beschaffen sein soll. Dabei kann es naturrechtliche, positivrechtliche und logische diskursive Bedingungen dazu geben. Die Frage nach dem Warum war bis vor der Aufklärung gar nicht zulässig, da zuvor der Staat und seine Repräsentanten als gottgewollt angesehen wurden. Es werden aber auch die psychologischen Fragen angesehen (warum entstehen gewisse Staatsformen in gewissen Gebieten und Zeiten?).
Politikwissenschaft / Politologie: Untersucht bestimmte Staatsformen und hält sich dabei an empirisches Material. Es geht um die Interpretation von Fakten. Dabei werden Polity (Form), Policy (Inhalt) und Politics (Prozess). Methoden aus den Sozial- und Naturwissenschaften (Statistik) - dabei ist sie nicht wirklich eine kritische Wissenschaft, sondern eine Eichhörnchen-Wissenschaft – sie sammelt Daten.
Rechtswissenschaft: Untersucht das Zustandekommen von Normen bei der Genese des Staates.
Geschichtswissenschaft: Fragt nach der historischen Entstehung von Staaten.
Repräsentation: Architektur als Ausdruck von Macht, aber ohne Funktion. Das beginnt schon in Griechenland mit der Agora, geht weiter in Rom mit den Triumphbogen.
Fast die gesamten westlichen Staaten orientieren sich an einem römischen Modell des Staates, während südosteuropäische Staaten sich eher an einem Familien-Modell orientieren.
Während des Mittelalters wird der Staat über die Religion definiert: der Herrscher wird durch den Papst bestimmt; ein Staatsbürger wird dadurch als gläubiger Mensch gefügig gemacht, weil er durch Dienen dem Monarch gleichzeitig auch Gott dient.
Mit der Aufklärung wird der Staat säkular, er geht also in die Verantwortung der Bürger über. Das Göttliche wird ersetzt durch die Vernunft.
Thomas Hobbes: Allgemein als Begründer der Staatsphilosophie angesehen («The Leviathan»). Er geht davon aus, dass ohne eine regelnde Hand eines Staates ein beständiger Krieg herrscht. Dazu muss der Staat aber das Machtmonopol haben. Dazu muss ein Contract Social1) erstellt werden. Es geht dabei herum, dass Minderheiten nicht Mehrheiten terrorisieren können.
Gleichzeitig mit der Etablierung von Staaten kommt auch die Idee des Nationalstaates auf, der sofort wieder der Bewegung nach mehr Menschenrechten Gegensteuer lieferte. Die Nationalstaaten berufen sich allesamt auf gewisse Mythen, aber auch auf Naturrechte (Territorialansprüche).
Immanuel Kant war praktisch der letzte Vertreter der «Vernunft», bevor die mythisch verbrämten Ideologen der Nationalstaaten wieder Überhand erlangten.
Freiheit als wichtiger Begriff in der Politik, vor allem nach der Aufklärung. Dabei gibt es verschieden Freiheiten: Freiheit des Eigentums, Freiheit der Person etc.
Hegel stellt dabei die Freiheit des Eigentums über die der Person. Dies drückt sich durchaus auch im Recht aus: ein Raub wird etwa sehr viel höher bestraft als ein Angriff auf Leib und Leben.
«Die Basis des Rassismus ist der Liberalismus» – der Kolonialismus (Imperialismus) spielt dabei eine richtige Rolle, indem er davon ausgeht, dass die Freiheit eben *nicht* allen gegeben ist, sondern nur der eben herrschenden Klasse. Alle anderen sind «Ware». Dies setzt sich auch heute mit der Migrationspolitik fort.
Hegel hat auch eine Ästhetik geschrieben (1810–1820). Er beschreibt dabei ein ganzes System.
Auch bei der Göttern findet Hegel so etwas: zuerst Idole/Götter, danach ein Pantheon, danach der Monotheismus, der schliesslich von der Vernunft abgelöst wird.
Die ganze Sache mündet laut ihm in die Philosophie ein – alles wird Text und Geist.
Das Hegelsche Weltbild ist dabei immer noch im Denken verankert, vor allem mit seiner europa-zentriertheit.
Der Mensch ist in diesem Weltbild relativ unwichtig.
Prinzip der Selbstbestimmungsfähigkeit des Menschen durch Vernunft.
Dabei ist die Frage, welche Rolle der Staat übernimmt im Falle von nicht selbstbestimmungsfähigen Menschen – Behinderten, Armen, etc. Darum geht es bei der grossen Trennung des Liberalismus.
Staatsphilosophisch geht es darum, die politische Macht durch eine Verfassung zu kontrollieren.
ökonomisch wird darunter der naive Glauben an die Selbstregulierung der Marktwirtschaft durch Markt und Wettbewerb verstanden. Inzwischen hat sich längstens herausgestellt, dass dies natürlich nicht funktioniert.
Minister fur Kolonien am Englischen Königshaus.
In seinen Texten kommen die Widersprüche des Liberalismus sehr schnell zum Ausdruck: so soll es zwar die Meinungsfreiheit geben, aber Arbeitern soll es gleichzeitig verboten sein, ihre Arbeitgeber zu kritisieren.
Auch ein starker Rassismus ist im Text vorhanden, in dem er davon ausgeht, dass gewisse Ethnien nicht genügend entwickelt sind – also, sämtliche Völker ausserhalb Englands. Diesen spricht er jede Mündigkeit ab.
Der Liberalismus begann nach den Gründungen der Nationalstaaten. Es ist eine Gegenbewegung gegen die Bevormundung durch den Staat (nach der Bevormundung durch Monarchie und Kirche).
Eine Errungenschaft des Liberalismus ist die Verfassung, die eigentlich nur vom Volk geändert werden kann (das wird nicht in allen Ländern so durchgeführt).
Liberalismus ist das Produkt einer männlichen, elitären Elite – dementsprechend martialisch ist das zugrundeliegende Konzept ⇒ freie Marktwirtschaft. Jeder soll sich gemäss seinen Fähigkeiten holen, was er kann – und weil das jeder kann, soll sich der Markt selber regulieren können. Der Mensch soll ungehindert Gewinne erzielen können. Problematisch wird es, wenn es dabei nicht mit einer gewissen sozialen und ökologischen Verantwortung gekoppelt ist. Bis heute kann er Ausbeutung ermöglichen. Es gibt dabei auch liberale Denker, die darauf achten, dass gleichzeitig auch Verantwortung für die nicht so starken übernommen werden muss.
Zusammenfassung der Denkmodelle:
Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Liberalismus am Ende einen Sieg über totalitäre System vorweisen.
Der Liberalismus will auch die Kultur in das Wirtschaftssystem integrieren und als Teil des Marktes ansehen. Dabei wird der Anspruch gestellt, dass die Kunst auch selbsttragend sein muss. Damit wäre aber ein grosser Teil des kulturellen Angebotes nicht mehr möglich.
Durch kalten Krieg war der Begriff Sozialismus stark negativ geprägt.
Hintergrund für die Entstehung der Theorien: Verwahrlosung und Elend der Arbeiterschaft. Jedes 4. Kind starb an Unterernährung.
Entstehung einer Bewegung zur Unterstützung: zuerst ganz praktisch mit Hygienemassnahmen. Später kommt der theoretische Überbau dazu. Schlussendlich wird daraus sogar eine Kampfbewegung.
Marx und Engels: die Ökonomie bestimmt den Verlauf der Geschichte (im Gegensatz zur Biologie / Evolution / Staatsgebilde) (historischer Materialismus). Praktisch: Krieg ensteht nicht aus ideologischen Überlegungen, sondern aus ökonomischen.
Mehrwert: was über den nötigen lebensnotwendigen Werr hinausgeht. Der Mehrwert geht dabei an den Unternehmer, während die Arbeiter nichts davon haben.
Arbeitsteiligkeit: besteht nur für denjenigen, der Mehrwert abschöpft, und nicht für denjenigen, der diesen produziert.
Marx: der Staat existiert nur zum Schutz des Privateigentums.
Arbeitskraft kann als reine Ware angesehen werden. Dies wird zwar heute nicht mehr so krass angesehen wie früher, der Gedanke ist aber noch nicht überwunden (Arbeiter in China).
Marx: der Markt lässt sich nicht kontrollieren. Beispiel: Weltwirtschaftskrisen, die sich regelmäßig alle 20 Jahre wiederholen, meist als Folge von Deregulierung.
Marx: politische Gewalt ist immer Gewalt einer Klasse gegenüber den Unterprivilegierten.
Marx: Bürgerrechte sind Rechte des Kapitals (Ungleichgewicht Mieter/Vermieter)
Marx: Utopie: klassenlose Gesellschaft nach einer Übergangszeit als Diktatur des Proletariats. Eine Utopie, der der real existierende Sozialismus diametral entgegenstand.
Zusammenhang Design
Arts & Crafts Bewegung (und später etwa auch Werkbund) lehnen sich an die sozialistischen Theorien an. A&C will solide, einfache Designs entwerfen, die sich auch die Arbeiterschaft leisten kann. Diese Objekte werden handwerklich geschaffen und keine Massenproduktion. Die Wertabschöpfung soll ein Minimum sein. Dies gelingt, weil Morris sich auf alte englische Designs bezieht. Das Bauhaus hat dagegen einen elitäreren Anspruch. Auch der Konstruktivismus in Russland hat ein ähnliches Ziel.
Marx: Arbeiterschaft braucht Bildung. Die Frau muss emanzipiert werden.
Moderne geht davon aus, dass die sozialen Probleme überall dieselben sind. Plötzlich ist das «afrikanische Denken» dem europäischen nicht mehr unterlegen.
Das Wilde Denken wird propagiert, das auch die Bricolage beinhaltet. Hochzeit der Pop-Art. Design wird dementsprechend aufgewertet. Design wird nun als eigene Kunst verstanden.
Man rückt ab von der reinen Funktionalität; man kann als Designer auch spielerische Dinge reinbringen, manchmal so sehr, dass es heute ein wenig eigenartig anmutet.
Auch die Konsumkritik wird jetzt zum ersten Mal vom Design selber gemacht wird und nicht vom Konsumenten selber. First Things First Manifest von u.a. Ken Garland: Wehren sich gegen die Kommerzialisierung und Trivialisierung des eigenen Metiers. Ken Garland geht dabei als einer der ersten intellektuellen Denker im Design ein.
Die Postmoderne ist eine nicht mehr sehr kritische Kultur, sie interessiert sich vor allem um das persönliche Vergnügen.
Jacques Derrida ist der wichtigste Vertreter des Dekonstruktivismus. Vor allem auch Architekten wie Zaha Hadid verabschieden sich vom klassischen, in sich geschlossenen Formenkanon und nehmen die Gebäude mehr oder weniger auseinander.
Derida verweigert sich auch dem Begriff des «totalen Wissens» – niemand kann restlos alles wissen, es gibt immer unwägbares.